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Gehalt Arzt

Wird man als Arzt noch reich?

Früher garantierte ein Medizinstudium den Weg zum Wohlstand. Heute verdienen selbst Chefärzte deutlich weniger. Grund zur Sorge beteht jedoch noch nicht.

Die Fakten:  Im Jahr 2013 wurden in Deutschland rund 350.000 berufstätige Ärzte gezählt, mehr als dreimal so viele wie 1960. Das Durchschnittsalter niedergelassener (selbständiger) Ärzte lag dabei bei 51,1 Jahren, das von Krankenhausärzten bei 40,9 Jahren. Da bis zum Jahr 2017 rund 77.000 Mediziner in den Ruhestand gehen werden, sind Ärzte gesucht und können sich immer öfter aussuchen, wo und für wen sie arbeiten. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und vergleichsweise niedrigen Bezahlung in deutschen Krankenhäusern geht mittlerweile rund ein Viertel der ausgebildeten Ärzte nach dem Studium nicht in die medizinische Versorgung, sondern lieber in die Pharmaindustrie oder in Beratungsunternehmen.

Angestellte Ärzte in Krankenhäusern

Wer als Nachwuchsmediziner bei einem großen Krankenhaus arbeiten will, steht vor der Wahl recht unterschiedlicher Einrichtungen. Der Blick in die Tarifverträge ist dabei nicht alles, vielerorts wird Tarifbruch betrieben. Ausschlaggebend sind vor allem die Bereitschaftsdienste, zu denen die Ärzte eigentlich nur fünfmal im Jahr herangezogen werden dürfen. Das Gehaltsspektrum reicht dabei von rund 35.000 € - 47.000 € Jahresbrutto für Assistenzärzte bis hin zu rund 280.000 € p.a. für den Chefarzt (inkl. Privathonoraren, die Bezahlung aus dem Angestelltenverhältnis liegt bei durchschnittlich ca. 120.000 €).

 

Gehälter von Chefärzten

Chefärzte realisieren laut Kienbaum Jahresgesamteinkommen von 80.000 Euro bis über 750.000 Euro, wobei der Chefarzt mit der höchsten Vergütung fast das Zehnfache erhält wie der Chefarzt mit dem geringsten Einkommen. 37 Prozent der Chefärzte verdienen durchschnittlich zwischen 125.000 Euro und 200.000 Euro im Jahr. Fast alle Chefärzte (97 Prozent) erhalten eine variable Vergütungskomponente, wobei das sogenannte Liquidationsrecht mit 54 Prozent die überwiegende Gestaltungsform ist. Auch 82 Prozent der Oberärzte, 51 Prozent der Fachärzte und 30 Prozent der Ärzte in Weiterbildung wird eine variable Vergütung gewährt. Hier ist die Beteiligung an den Privatliquidationen des Chefarztes ebenfalls die vorherrschende Gestaltungsform. Eine Bonusvereinbarung kommt dagegen nur bei 17 Prozent der Chefärzte und 19 Prozent der Oberärzte vor. Die Gesamtbezüge der Chefärzte mit bis zu dreijähriger Berufserfahrung belaufen sich auf 248.000 Euro und steigen bei Chefärzten, die über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung verfügen, sogar auf durchschnittlich 393.000 Euro.

Ein ärztlicher Direktor verdient im Schnitt 133.000 Euro und damit nur knapp halb so viel wie ein Chefarzt. Dieser erhält Jahresgesamtbezüge von durchschnittlich 280.000 Euro. Die Vergütung eines Krankenhaus-Geschäftsführers liegt bei 190.000 Euro im Jahr, während ein Facharzt im Schnitt 84.000 Euro erhält.

Die Spitzengehälter fallen noch deutlich höher aus: Ein führender Professor für Radiologie kann an einer Uniklinik auch mehrere Millionen Euro pro Jahr einnehmen, wenn er Privatpatienten abrechnen darf. Überproportional hohe Einkommen erzielen Chefärzte dabei vor allem durch die Konzentration auf privat Versicherte bzw. Privatzahler. Gegenwärtig gibt es etwa 1.200 Chefärzte an der Spitze der Fachabteilungen deutscher Universitätskliniken. Die durchschnittlichen Privathonorare der ärztlichen Direktoren werden auf rund 160.000 € p.a. geschätzt - netto wohlgemerkt! Es sei jedoch angemerkt, dass ärztliche Uniprofessoren im Durchschnitt 45 Jahre alt sind, wenn sie ihre Klinik bekommen, sich bis dahin gegen 98% der Konkurrenten aus ihrem Jahrgang durchgesetzt haben und darüber hinaus heute mit signifikant schlechteren Verträgen hinsichtlich der Privatliquidation zu leben haben.

Quellen: Eigene Rechrechen,  Kienbaum, Süddeutsche Zeitung, Sueddeutsche.de, Spiegel

 

Nach dem Tarifvertrag des Marburger Bundes beträgt die Arbeitszeit an kommunalen Krankenhäusern in der Regel 40 Wochenstunden. Als Einstiegsgehalt gibt es 3.662 €, im zweiten Jahr 3.870 €, im dritten 4.019 €. In einer Umfrage des Marburger Bundes gab jeder zehnte Befragte an, dass seine Überstunden voll vergütet wurden, 29% sprachen von teilweiser Vergütung.

 

Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken 2014

 

1

2

3

4

5

6

Ä 1

4219.62

4458.80

4629.62

4925.74

5278.80

5416.50

Ä 2

5569.21

6036.17

6446.17

6676.57

6802.16

Ä 3

6975.76

7385.76

7972.29

Ä 4

8205.78

8792.30

9259.25

 

Gültigkeit der Tabelle: 01.03.2014 - 31.01.2015

Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern 2014 (TV-Ärzte/VKA)

 

1

2

3

4

5

6

I

4023.08

4251.13

4413.99

4696.31

5032.94

5171.38

II

5309.81

5755.02

6145.94

6373.97

6596.55

6819.15

III

6650.86

7041.76

7601.00

IV

7823.56

8382.82

 

Gültigkeit der Tabelle: 01.01.2014 - 30.11.2014

 

Tarifvertrag für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern (VKA)


1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4.-5. Jahr 6. Jahr
Arzt 3.663 € 3.870 € 4.019 € 4.276 € 4.582 €

 


1.Jahr 4. Jahr 7. Jahr 9. Jahr 11. Jahr
Facharzt 4.834 € 5.239 € 5.595 € 5.803 € 6.006 €
Oberarzt 6.055 € 6.411 €


CA-Vertreter 7.123 €



Mit allen Zulagen ergeben sich für Ärzte im Krankenhaus folgende durchschnittliche Jahresbruttoverdienste (Basis: Jahr 2008):

Assistenzarzt Facharzt Oberarzt Chefarzt
62.000 € 75.000 € 111.000 € 266.000 €

 

 

Die Übersicht für Einsteiger (Ärzte)*

Trägerschaft 1. Berufsjahr 3. Berufsjahr 5. Berufsjahr
Unikliniken (West) 3.707 € 4.065 € 4.635 €
Kommunale Krankenhäuser 3.663 € 4.019 € 4.278 €
Rhön-Klinikum (+ Ergebnisbeteiligung) 3.650 € 4.000 € 4.400 €
Helios Kliniken 3.600 € 3.800 € 4.000 €
Sana Kliniken (+ Ergebnisbeteiligung) 3.529 € 3.871 € 4.414 €
Universitätskliniken (Ost) 3.295 € 3.605 € 4.102 €
Evangelische Krankenhäuser (West) 3.258 € 3.450 € 3.450 €
Katholische Krankenhäuser 3.106 € 3.317 € 3.527 €
Evangelische Krankenhäuser (Ost) 3.014 € 3.191 € 3.191 €


* Zu den o.g. Gehältern addieren sich Zulagen für Schichtdienste, Honorare für Gutachten und die anteilige Bezahlung für die Behandlung von Privatpatienten.

Die Übersicht für Fachärzte*

Trägerschaft 1. Berufsjahr 4. Berufsjahr 7. Berufsjahr
Unikliniken (West) 4.890 € 5.300 € 5.660 €
Kommunale Krankenhäuser 4.834 € 5.239 € 5.595 €
Rhön-Klinikum (+ Ergebnisbeteiligung) 4.750 € 5.050 € 5.550 €
Sana-Kliniken (+Ergebnisbeteiligung) 4.657 € 5.048 € 5.390 €
Helios Kliniken 4.500 € 4.700 € 5.050 €
Universitätskliniken (Ost) 4.325 € 4.635 € 4.940 €
Evangelische Krankenhäuser (West) 3.902 € 4.119 € 4.119 €
Katholische Krankenhäuser 3.757 € 4.255 € 4.415 €
Evangelische Krankenhäuser (Ost) 3.609 € 3.810 € 3.934 €


* Zu den o.g. Gehältern addieren sich Zulagen für Schichtdienste, Honorare für Gutachten und die anteilige Bezahlung für die Behandlung von Privatpatienten.

 

Quellen: Statistisches Bundesamt, Kienbaum, Rebmann Research, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Marburger Bund 2009, Junge Karriere 1/2009
Alle Tarifverträge sind auf der Internetseite des Marburger Bundes abrufbar.

 

Gehälter von Krankenhausärzten im Ausland

Ein Allgemeinmediziner kann in einem englischen Krankenhaus etwa doppelt so viel Geld wie in Deutschland nach Hause tragen. Mit einem Wochenenddienst in England lassen sich brutto rund 2.000 € verdienen, ähnliches gilt auch für Norwegen und Schweden, wo derzeit jeweils rund 700 deutsche Ärzte tätig sind.

Derzeit bei jungen Ärzten besonders gefragt ist die Schweiz: Die Schweizer Gehälter variieren von Kanton zu Kanton, in Luzern beispielsweise verdienen Assistenzärzte zwischen 3.910 € und 6.220 €, Oberärzte bekommen zwischen 5.570 € und 7.180 €. Die niedrigen Steuern und Sozialabgaben führen zu einem durchschnittlichen monatlichen Nettogehalt von etwa 5.000 €.

Die höchsten Einkommen für Klinikärzte lassen sich jedoch in den USA erzielen. Ebenfalls überdurchschnittlich gut verdienen Mediziner in australischen und kanadischen Krankenhäusern. Auf dem vierten Platz liegt Großbritannien, gefolgt von den Niederlanden, Neuseeland und Frankreich. Deutschland landet bei der Ärzte-Vergütung auf dem letzten Platz.

Das Einkommen eines niedergelassenen Arztes setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Einerseits aus den Zahlungen der gesetzlichen Krankenkassen, die derzeit je nach Region unterschiedlich ausfallen*. Hinzu kommen die Einnahmen aus den Behandlungsprogrammen für chronisch Kranke, die Honorare aus privatärztlichen Leistungen und künftig auch aus anderen Versorgungsstrukturen und Verträgen, die die Kassenärztlichen Vereinigungen oder Ärzte mit den Kassen schließen. Das ist eine Mischung, die noch immer überdurchschnittliches Einkommen erwarten läßt - allerdings auch bei überdurchschnittlicher Arbeitsbereitschaft.

Laut einer Hochrechnung der FAZ basierend auf Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung lagen die Jahreshonorare von Allgemeinmedizinern (Vertragsärzt [Kostenlos einloggen und weiterlesen]



Aus Vereinfachungsgründen wird stets die männliche Form der Berufsbezeichnungen verwendet.

Oberes Dezil: 90% der analysierten Gehälter liegen darunter
Oberes Quartil:
75% der analysierten Gehälter liegen darunter
Median:
Dieser Wert liegt genau in der Mitte. 50% der Gehälter liegen darüber, 50% darunter
Unteres Quartil:
25% der analysierten Gehälter liegen darunter
Unteres Dezil: 10% der analysierten Gehälter liegen darunter